Gender and Science

Gender and Science

Geschlechterforschung (Gender Studies) hinterfragt die Bedeutung des Geschlechts für die Wissenschaften (Gender and Science). Deshalb arbeitet Geschlechterforschung sowohl disziplinär als auch interdisziplinär und transdiziplinär. Die Impulse für Forschungsfragen kommen aus der Schnittfläche und Verknüpfung der jeweiligen Fächer, der Forderung nach Effizienz, Spezialisierung und dem Kanon der einzelnen Disziplinen. Diesem Impuls nachgebend verfolgt die Geschlechterforschung eine Doppelstrategie von wissenschaftlicher Innovation und gesellschaftlicher Veränderung in den sich immer mehr ausdifferenzierenden Disziplinen.

Befragung

Am Beispiel einer Befragung von Professorinnen und Professoren an der RWTH Aachen zum Thema Gender and Science wird die Mehrdimensionalität der Wechselbeziehung von Gender und Wissenschaft deutlich.

In dieser Befragung stehen neben der Frage nach der Beteiligung von Frauen in der Wissenschaft (Women in Science), Fragen nach möglichen Konsequenzen für die Wahl und Darstellung der wissenschaftlichen Gegenstände, Methoden und Zielperspektiven (Science of Gender) bis hin zu den grundsätzlichen Fragen nach Objektivität, Wertfreiheit und Geltung naturwissenschaftlichen Wissens (Gender in Science).

Die Befragung zeigt die unterschiedliche Relevanz, die den drei Schwerpunkten im Mainstream der Wissenschaften zugemessen wird, bis hin zur vollständigen Negierung der Gender Dimension für die Wissenschaft. Sie macht die unterschiedlichen „Gender Blicke“, aber auch die gender-blinden Flecken im Gesichtsfeld der Wissenschaft sichtbar. Und sie verdeutlicht, wie umfassend ein Prozess des Gender Mainstreaming an einer Hochschule angelegt sein muss, um einen derart komplexen Entwicklungsansatz qualitativ voranzutreiben.

Ringvorlesung

Die interdisziplinäre Ringvorlesung Gender & Science bietet einen Einstieg in das breite Spektrum der Gender-Forschung in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen.

Mit der Einführung der Kategorie Gender werden wissenschaftskritische Fragen an das jeweilige Fach und an die Hierarchie der Fächer gestellt sowie Kategorien, nach denen Wissen jeweils geordnet und strukturiert wird, hinterfragt. Gender-Forschung versucht die Bedeutung der Kategorie Geschlecht für soziale Strukturierungsprozesse, kulturelle Normen und interaktives Handeln kontextbezogen zu erfassen. Intention ist es, Gender als Analysekategorie in alle Forschungsfelder hineinzutragen, Sichtweisen zu erweitern und damit einen wesentlichen Beitrag zu einem interdisziplinären Wissenschaftsverständnis zu leisten.

Geschlechterforschung liefert für die Hochschulen sowohl auf struktureller als auch auf konzeptioneller Ebene wichtige Impulse für einen Hochschulreformprozess, der Innovationsfähigkeit und Chancengleichheit verbindet.

Inhaltliche Details der Veranstaltung wie einen Zeitplan mit den verschiedenen Referentinnen und Referenten und den Themen ihrer jeweiligen Vorträge, Abstracts und Informationen zu den Viten der ReferentInnen finden sie in unserem Programm.

Die Ringvorlesung ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Institut für Soziologie, dem Frauenprojekt an den Aachener Hochschulen, der Gleichstellungsstelle der RWTH Aachen und dem Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs).

Gender Mainstreaming

„Gender Mainstreaming besteht in der Reorganisation, Entwicklung und Evaluation von Entscheidungsprozessen in allen Politikbereichen und Arbeitsbereichen einer Organisation. Das Ziel von Gender Mainstreaming ist es, in alle Entscheidungsprozesse die Perspektive des Geschlechterverhältnisses einzubeziehen und alle Entscheidungsprozesse für die Gleichstellung der Geschlechter nutzbar zu machen.“

Expertenkommission der Europäischen Kommission 1999

Damit kann das Konzept des Gender Mainstreaming sowohl als normative politische Strategie wie auch als radikaler Reorganisationsansatz verstanden werden.

Die Bedeutungen von Gender und Mainstreaming lassen sich auch genauer definieren.

Gender

Während die deutsche Sprache nur ein Wort für „Geschlecht“ kennt, differenziert die englische Sprache in „sex“ (für das biologische Geschlecht) und „gender“ (für das soziale „Geschlecht“). Unter „Gender“ wird damit das sozial konstruierte Geschlecht verstanden, das geprägt wird von Herkunft, Glaube, Alter, Befähigung und Behinderung, sexueller Orientierung und anderen Strukturmerkmalen. Gender ist die sozial erlernte und kulturell geprägte Geschlechtsrolle oder Geschlechtsidentität und damit veränderbar.

Mainstreaming

„Mainstream“ bedeutet Hauptstrom. Mainstreaming bedeutet also ein Thema allgegenwärtig und übergreifend in den “Hauptstrom” von Prozessen und Aktivitäten zu bringen. Mit dem Konzept des Gender Mainstreaming soll Gleichstellung von Frauen und von Männern in allen Bereichen und auf allen Ebenen zur Querschnittsaufgabe werden.